Profil · Recherche · Mai 2026

Jochen Kienzle

Sammler. Wahrnehmungspsychologe. Counterpoint zum Kunstzirkus.

*1959 · Freiburg Kienzle Art Foundation · Berlin seit 1997 in Berlin
01 · Person

Vom Schreiner zum Sammler

Jochen Kienzle wurde am 24. November 1959 in Freiburg im Breisgau geboren — als Ur-Ur-Enkel von Jakob Kienzle, dem Gründer der Kienzle Uhrenfabriken (eines der wichtigsten Uhrenwerke der Welt um 1900). Industrie-Dynastie, alter Schwarzwälder Familienadel.

Sein Werdegang ist ungewöhnlich für einen Sammler dieser Klasse:

Wirtschaftsgymnasium Donaueschingen

Abitur in deiner Region.

Schreinerlehre · Konstanz

Material- und handwerks-affin. Er kann ein Werk körperlich beurteilen, nicht nur diskursiv.

Kunstgeschichte + Wahrnehmungspsychologie · LMU München

Zehn Jahre Studium. Zwei Disziplinen. Tiefen-Interesse, nicht Schnellschuss.

Galerie Kienzle & Gmeiner · Berlin

Gründung mit Anette Gmeiner. 2001 alleinige Geschäftsführung.

Kienzle Art Foundation · Stiftung

Selbst-finanziert, ohne öffentliche Förderung.

02 · Stimme

Was er sagt

Es ging nie um Name-Dropping, immer nur um Inhalt. Jochen Kienzle, Tagesspiegel 2010
Es ist mir wichtig, ein Counterpoint zum Kunstzirkus zu sein. Jochen Kienzle, Tagesspiegel 2019

Zwei Sätze, neun Jahre Abstand. Konsistenter Standpunkt: Substanz vor Status.

03 · Foundation

Kienzle Art Foundation

2009Gründung
40Shows seit 2010
3Ausstellungen pro Jahr
100%Selbst-finanziert

Adresse & Kontakt

Adresse
Bleibtreustraße 54 · 10623 Berlin (Charlottenburg)
Telefon
+49 30 315 070 13
Öffnungszeiten
Do–Fr 13–18 Uhr · Sa 14–18:30 Uhr · und nach Vereinbarung
Aktuell
Show 40: Fabian Ginsberg „Zentralmuseumskunst" · 1.5.–15.8.2026
Davor
Michael Venezia „Blankness as a knowing subject" · 12.9.2025–14.2.2026
04 · Programm

Was er sucht

Außenseiter-Positionen

Künstler die sich dem Mainstream verweigern oder von ihm vergessen wurden. Wiederentdeckung als Auftrag.

Konzeptuelle Tendenzen

1960er bis Gegenwart. Konzept vor Bildgewalt. Wahrnehmungsbedingungen der Kunst selbst.

Polarisierung statt Wohlbefinden

Keine „angenehme Kunst zur kontemplativen Reflexion". Werke die Reibung erzeugen.

Substanz, nicht Marktwert

Selbst-finanziert. Keine Verkaufslogik. Kein Investment-Spiel.

Out of Line

Spezialformat innerhalb der Foundation. Künstler die malerisch unter konzeptuellen Bedingungen arbeiten — Untersuchungen der Grundlagen und Möglichkeiten von Malerei. Plus Kooperationen mit MoMA New York, Dia Beacon, Kunstmuseum Liechtenstein.

05 · Sammlung

Wer in seinen Räumen hängt

Hochkarätig, aber nicht markstar-getrieben. Das Pattern: Pictures Generation, Konzept-Pioniere, früh-verstorbene oder zurückgezogene Outsider.

Joseph Beuys
1921–1986 · DE
In Show 1 dabei (2010). Das setzt den Ton für alles was folgt.
Jack Whitten
1939–2018 · US
Black Abstract Painter, Whitney/MoMA-Liga. Heute extrem teuer und gesucht.
Jonathan Lasker
*1948 · US
Lebende Legende der Konzept-Malerei. Lange in Kienzles Sammlung.
Jack Goldstein
1945–2003 · CA/US
Pictures Generation, Cindy-Sherman-Cohort. Performativ und konzeptuell.
Franz Erhard Walther
*1939 · DE
Goldener Löwe Venedig 2017. Werk-Strecken-Pionier.
Anna Oppermann
1940–1993 · DE
Frauen-konzeptuelle Pionierin, Ensemble-Arbeiten.
Ketty La Rocca
1938–1976 · IT
Italienische Konzeptkunst, früh verstorben. Sprache + Körper.
Verena Pfisterer
*1941 · DE
Zog sich seit 1977 vom Kunstmarkt zurück. Posthum gezeigt — Kienzles Programm in Reinform.
Josef Kramhöller
1968–1999 · DE
Selbstmord mit 31. Eigene Retrospektive bei Kienzle 2012 („Jagd auf das Leben").
Emilio Prini
1943–2016 · IT
Arte Povera Pionier. Konzeptkunst-Aristokratie.
Klaus Merkel
*1953 · DE
Kern des „Out of Line"-Programms. Konzept-Malerei.
François J. Chabrillat
*1960 · FR
„Hält sich vom Kunstmarkt fern, reflektiert ihn intensiv." Genau Kienzles Typus.
06 · Inferenz

Was ihn antreibt

  1. Material- und Handwerks-Affinität — Schreinerlehre. Er beurteilt körperlich, nicht nur diskursiv.
  2. Wahrnehmungspsychologie — er denkt Kunst als perzeptuelles Phänomen, nicht nur kunstgeschichtlich.
  3. Outsider-Bias — er identifiziert sich mit Künstlern die NICHT in den Markt wollten oder vergessen wurden.
  4. Self-funded — er muss niemandem gefallen, sammelt aus Überzeugung, nicht aus Investment-Logik.
  5. Konzeptuelle Tiefe vor Bildgewalt — eine Arbeit muss mehr tragen als ihre Oberfläche.
07 · Strategie

Tipps für die Mail

Er ist 66. Er hat alles gesehen. Er riecht Marketing 100m gegen den Wind. Was funktioniert:

So nicht — so doch

  1. Tante Hilde sofort nennen. Er erinnert sich. Das ist die Tür.
  2. Sekretärin-Vorgespräch erwähnen — „wie mit Ihrem Büro besprochen".
  3. Auswahl 8–12 Bilder, nicht alle 31. Kuratierungs-Geste ist Substanz-Beweis.
  4. WeTransfer-Link, keine Anhänge.
  5. Kein Marketing-Sprech. Keine „junge talentierte Stimme der Generation X". Direkt: „mein Neffe Nico, autodidaktisch, hier sein aktuelles Werk".
  6. NICHT im First Contact: Trauma-Hintergrund, Mathias-Kontext, „forgotten artist"-Pitch. Lass es ihn selbst erkennen.
  7. Kurze Form. 6–10 Sätze. Wenn die ersten zwei Zeilen nicht ziehen, liest er nicht weiter.
  8. Treffen anbieten, nicht erwarten. „Falls Interesse, würde ich Nico gerne mitbringen."

Was du selbst zusätzlich anbieten könntest

Falls du dich neben Nico zeigen willst — was bei dir konzeptuell passt:

Aber: bei FIRST CONTACT lieber nur eine Linie. Wenn du Nico in den Vordergrund rückst, bleib bei Nico.